Ironman Cozumel

Ironman Cozumel – ein Bericht von Andreas W. (nehmt euch etwas Zeit zum Lesen ­čśë)

Da ich unbedingt in diesem Jahr zur Teilnahme am Legacy-Programm noch einen Ironman-Wettbewerb machen wollte und in der europ├Ąischen N├Ąhe alles ausverkauft war, beschloss ich im August, mich f├╝r den Ironman auf der mexikanischen Insel Cozumel anzumelden. Cozumel ist eine Insel von ca. 40 x 20 km, die vor der touristisch am st├Ąrksten erschlossenen Halbinsel Yucatan liegt (mit Chitzen Itza, Tulum und vielen anderen Maya-St├Ątten). Anders als der gr├Â├čere Teil des Landes, in dem es mittlerweile nicht mehr ganz unproblematisch ist, sicher von A nach B zu kommen, ist dies ein verh├Ąltnism├Ą├čig sicheres Reisegebiet. Noch sicherer ist auf jeden Fall Cozumel. Hier scheint die Welt (noch) in Ordnung. Cozumel ist dabei weniger als das Festland von normalen Strandurlauber gepr├Ągt, sondern von Tauchurlaubern (vor der Insel an der Westk├╝ste liegt das zweitgr├Â├čte Barriereriff der Welt) und von Kreuzfahrern. Man erreicht die Insel nach einem 12-st├╝ndigen Flug im Regelfall ab Frankfurt, landet in Cancun, f├Ąhrt dann etwa eine Stunde mit dem Bus nach Playa del Carmen um dann noch einmal etwa eine Stunde mit der F├Ąhre zu fahren. Auf der F├Ąhre trafen wir auch zuf├Ąllig Hannes Blaschke mit seiner Hannes-Hawaii-Truppe, der nicht nur die Hawaii-Tripps organisiert, sondern auch einige andere Reiseziele unterst├╝tzt. In seiner Truppe waren auch zwei AK-50-Triathleten, die nachdem wir mit ihnen ins Gespr├Ąch gekommen waren, erz├Ąhlten, dass sie sich auf Cozumel f├╝r Hawaii qualifizieren wollten. Sie waren sich aber noch nicht einig, wer wem den Vortritt lassen w├╝rde. Auf die Frage, was sie sich denn f├╝r Zeiten vorgenommen h├Ątten, kam irgendwas von unter 9 Stunden raus. Da fragten wir sie denn, ob sie sonst keine Hobbies h├Ątten. Es stellte sich dann heraus, dass der eine Andreas Niedrig war (vom Junkie zum Ironman) und er nach seinem Ausscheiden in diesem Jahr auf Hawaii seine Karriere nun so nicht beenden wollte. Wir waren gespannt, ob er das Ticket nach Hawaii noch kriegen w├╝rde. Angekommen auf der Insel stellten wir dann fest, was es mit den Kreuzfahrern auf sich hat. 200 m von unserem Hotelstrand entfernt war die wohl weltgr├Â├čte Anlegestelle f├╝r Kreufahrtschiffe. Auf Cozumel legen bis auf sonntags vier bis sieben Schiffe t├Ąglich an. Und es sind nicht die Schiffe, die man noch vom Traumschiff kennt. Alle gr├Â├čer als die Titanic, fast alle ├╝ber 3.000 bis 4.000 Menschen an Bord. Die fahren dann alle mal f├╝r einen Tag auf die Insel, um die vielen landschaftlichen Highlights (vor allem das traumhafte Wasser mit den Fischen, ein paar Maya-St├Ątten, ein Naturpark mit einem absoluten Traumstrand und dahinter eine Lagune mit 400 Krokodilen) zu erkunden oder von da aufs Festland ├╝berzusetzen. Nach dem ersten Schock ├╝ber die N├Ąhe der Kreuzfahrtschiffe wich es einer gewissen Faszination. Wir haben jetzt auf jeden Fall ├╝ber 25 Riesenschiffe gesehen und irgendwie haben sie trotz der N├Ąhe zu unserem Hotel nicht gest├Ârt. Kreuzfahrer werden wir trotzdem nicht. Der Ironman-Wettkampf fand am 24.11. zum 11. Mal statt. Da zudem im September immer noch ein 70.3 Wettkamp dort l├Ąuft, sind die Menschen dort mit dem Triathlon sehr vertraut.
F├╝r die Profis war dieser Ironman zugleich die Lateinamerikanisches Meisterschaft, so dass dort auch ein erh├Âhtes Preisgeld verteilt wurde. Leider waren einige der deutschen Profis, die gemeldet waren, letztendlich dann verletzungsbedingt doch nicht am Start. Sebastian Kienle, der hier 2017 gewonnen hatte, hatte sich in Hawaii einige Probleme an der H├╝fte zugezogen. Andreas Raelert und Laura Philipp mussten dann ebenfalls kurzfristig absagen. Trotzdem war das Rennen mit Namen wir Tim O┬┤ Donell, Frederik van Lierde, Patrick Nilson und Tyler Butterfield noch mit prominenten Namen besetzt. Gewonnen hat bei den M├Ąnnern schlie├člich Tyler Butterfield in 7:44:01 und bei den Damen Carrie Lester mit 8:38:41. Unsereins war dann nicht ganz so schnell unterwegs, auch wenn es sich zun├Ąchst ganz gut anlie├č. Die Schwimmstrecke verlief parallel zur K├╝ste, zu der man nie mehr als 100 m Abstand einnehmen musste (aber konnte, wenn man trotz der gut platzierten Bojen die Orientierung verlor. So schnell hat einen dann keiner eingefangen. Das Schwimmen startete als Rolling Start, was es neben den anderen Vorz├╝gen der Strecke angenehm machte. Man sortierte sich vorher nach der gesch├Ątzten Zielzeit ein und ging, nachdem man ein kleines Tor passiert hatte ├╝ber einen Steg zum Wasser. Dort lag dann die Zeitmatte und dann hie├č es schnell ins Wasser springen, also tats├Ąchlich h├╝pfen, denn es war ja ein Steg. Zum Gl├╝ck ging es hier sehr gesittet zu. Das Wasser war sehr angenehm temperiert (dass es keinen Neo brauchte war schon allen beim Kofferpacken klar), hinzu kam das tolle Gef├╝hl, endlich zumindest unter Wasser mal zu sehen, wo man denn so schwimmt. Die Sicht war besser als in allen mir bekannten Hallenb├Ądern, man war sofort von Fischen umgeben und hatte st├Ąndig was zu schauen. Auch auf Taucher, die sich in 10 bis 15 m Tiefe gelegentlich platziert hatten und einem zuwinkten (wenn man es mit Technik nicht so genau nahm und auch mal freundlich gr├╝├čte). Eine leichte Str├Âmung in die richtige Richtung unterst├╝tzte einen auch noch bei dieser Disziplin, die ich an diesem Tag entgegen meiner Gewohnheit zu meiner liebsten deklariert habe. Viele Teilnehmer monierten sich hinterher allerdings ├╝ber die Wellen, die ihnen zu schaffen gemacht h├Ątten. Und trotz der anfangs klaren Streckenf├╝hrung wurde es zum Schluss auch un├╝bersichtlich. Die Profis verfehlten dann auch erst mal den Schwimmausstieg. Als sie es endlich geschafft hatten, wurde die Aufmerksamkeit der Zuschauer dann auf acht springende Delfine gelenkt, die unmittelbar neben dem Ausstieg ihr Freiwasserdelfinarium hatten und an ihrem freien Tag trotzdem trainiert wurden. Als ich nach 1:21 das Wasser verlie├č hatten sie ihr Programm aber wohl schon beendet. Die unter Palmen stehenden Fahrr├Ąder auf dem Nationalparkplatz fand man dann nach dem Aufnehmen der Wechselbeutel gut und dann ging es raus auf die zentrale Ringstra├če, die um die Insel f├╝hrt. Diese Stra├če war vollkommen abgesperrt, obwohl es dies eigentlich gar nicht unbedingt brauchte, denn parallel dazu gibt es einen separaten Radweg, der seines gleichen sucht und ├╝ber zig Kilometer in einer Breite von drei bis f├╝nf Meter fast die gesamte Ostk├╝ste abdeckt. Der Asphalt war zu 98% top, lediglich der Teil, der sp├Ąter durch den Ort f├╝hrte, wies ein paar mittelpr├Ąchtige Schlagl├Âcher auf. Die Radstrecke f├╝hrte einen drei mal rund um die Insel, wobei, da fast der gesamte Nordteil der Insel gar nicht erschlossen ist, die n├Ârdliche Ost-West-Verbindung mitten durch die Insel geht. Die Strecke hat bis auf zwei Minianstiege eigentlich keine H├Âhenmeter. Das hat Vor- und Nachteile. Nachteil ist vor allem, dass man immer konstant treten muss. Darauf muss man sich auch erst einmal einlassen. Die Strecke ist zudem extrem windanf├Ąllig. An der Ostk├╝ste ist das offenen Meer anders als im S├╝den und im Westen sehr unruhig und es weht ein kr├Ąftiger Wind. Deshalb sind auf Cozumel auch Scheibenr├Ąder grunds├Ątzlich verboten. Die Strecke an der Ostk├╝ste ist aber auch ein absoluter Traum. Jenseits einer echten Bergroute mit deren landschaftlichen Reizen ist diese Strecke kaum zu toppen. Und f├╝r viele sicher auch f├╝r eine Bestzeit gut. F├╝r mich in diesem Falle allerdings nicht. Hier zahlt es sich aus, wenn man nicht nur ein Aero-Fahrrad hat, sondern dass auch konsequent nutzen kann, in dem man die Position h├Ąlt. Es gibt wahrscheinlich keinen Kurs, in dem es sinnvoller ist, diese Kombination hinzubekommen. Ein Manko auf der Strecke war, dass es pro Runde zwar f├╝nf Verpflegungsstellen gab, aber alle nur mit engagierten, aber ├╝berforderten Kindern und Jugendlichen besetzt waren. Regelhaft war es deshalb n├Âtig, an diesen Stellen anzuhalten und den Helfern dabei zu helfen, die Trinkflaschen aufzuf├╝llen. Wer es eilig hatte konnte dabei schon mal die Nerven verlieren. Es waren jede Menge Flaschen da, aber keiner bekam in ausreichendem Ma├če diese Flaschen auch vor Ankunft der Fahrer gef├╝llt. Wenn man dann seine drei Runden, die auch immer durch den Hauptort der Insel und entlang der touristisch erschlosseneren Westk├╝ste f├╝hrte, geschafft hatte, durfte man in T2 dann sein Fahrrad direkt nach dem Abstieg den Helfern ├╝bergeben. Es war also kein langes Suchen nach dem eigenen Abstellplatz notwendig. Das Finden des eigenen Beutels reichte. Und schon ging es raus auf die Laufstrecke. Wobei es f├╝r mich eher eine Gehstrecke wurde, da ich mit meiner Versorgung zwischendurch wohl wieder was falsch gemacht hatte. Auf jeden Fall war mir mehr als ├╝bel und ich hatte die Hoffnung, dass sich das im Laufe der Zeit mal legen w├╝rde. Zuviel Bewegung war auf jeden Fall nicht f├Ârderlich und so machte ich mich auf den mir l├Ąngsten erinnerbaren Wandertag. Wenn man beim Laufen schon manchmal das Gef├╝hl hat, 42 km nehmen kein Ende, ist das beim Gehen wirklich langwierig. Es gab hier eine Pendelstrecke 7 km raus aus dem Ort und wieder zur├╝ck und das Ganze drei Mal. Die ersten drei km pro Richtung waren noch belebt, der ersten zwei richtig stimmungsvoll, aber dann wurde es doch recht einsam. Und hinterher auch dunkel. Eigentlich war es bei mir ├╝ber vier Stunden dunkel. Die anderen Teilnehmer hatten schon vorgesorgt und Stirnlampen dabei (wenn ich die Diskussion von heute zu diesem Thema verfolge h├Ątte ich eine Umfrage machen sollen). Und immer, wenn ich dachte, jetzt k├Ânnte ich mal loslaufen und mir dann einen Schluck Wasser zu Gem├╝te f├╝hrte, fing das Magenproblem wieder an. Also belie├č ich es bei der Nachtwanderung. Und Wasser nahm ich auch keines mehr. ├ťberhaupt: Auch hier waren die Verpflegungsstellen problematisch. Es gab f├╝r die Mittagshitze keine Schw├Ąmme und Wasser gab es vorrangig eingeschwei├čt!!! in 100 ml Plastiks├Ąckchen. Die musste man erst mal aufrei├čen, da war man schon wieder jede Menge Energie los. Seltsames System.
Der Zieleinlauf war dann klassisch, wobei ich sonst immer diese Cheerleader hatte. Ich war dieses Mal wohl zu fr├╝h, auch wenn ich zwei Stunden langsamer war, als ich es mir in meinen schon langsamen Tr├Ąumen vorgestellt hatte. Das Ziel war trotzdem noch Eindreiviertelstunde offen, und es waren immer noch Leute unterwegs, die die Nutzungsdauer ihrer Stirnlampenakkus austesteten. Ich war froh, endlich im Ziel zu sein (ich habe mich tats├Ąchlich im Ziel noch nie so schlecht gef├╝hlt, sonst gings mir danach immer blendend, auch wenn die Zeiten nicht unbedingt besser waren). Aber mein wichtigstes Ziel habe ich erreicht. Ich habe mein 12. Ironman-Finish und nach aktuellem Stand der Warteliste ist damit 2023 mein Hawaiijahr. Also habe ich genug Motivation, mich tats├Ąchlich mal wie ein echter Triathlet auf einen Wettbewerb vorzubereiten und nicht nur immer dabei zu sein, um ins Ziel zu kommen. Und daf├╝r ist Triathlon M├╝lheim der richtige Verein. ├ťbrigens haben es die beiden AK-50- vom Schiff dann tats├Ąchlich geschafft, erster und zweiter zu werden und ihr Ticket f├╝r Hawaii zu l├Âsen.
Ich w├╝rde Cozumel ├╝brigens nicht noch einmal machen. Aber ich w├╝rde es jedem empfehlen, es einmal gemacht zu haben. Nicht nur sportlich, sondern auch touristisch. Da wir uns vor 20 Jahren mal sehr individuell durch ganz Mexiko geschlagen haben, haben wir auf Ausfl├╝ge aufs Festland verzichtet. Wer noch nie da war, sollte das dann aber auf jeden Fall mal damit verbinden.